PARADOXICAL PASSAGES
Artworks

Styropor, Polymer Gips, Lack, Flüssiggummi, Glasfaser, Amethyst, Silikon, Schweißdraht
170 x 135 x 84 cm

Styropor, Achat, Polymer Gips, Epoxy Knetmasse,
Glasfaser, Holz, Lack, Pigment, Silikon, Schweißdraht
225 x 188 x 47cm

Styropor, Polymer Gips, Koralle, Autolack, Lack, Alu, Silikon, Glasfaser, Holz
196 x 140 x 60 cm

Styropor, Polymer Gips, Stahl, Autolack, Glasfaser, Silikon, Schweißdraht
190 x 180 x 17cm
Information
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In Erwiderung auf Tina Kohlmann’s Artefakt & Phantasma
“... Ich male oftmals Höhlen, denn sie stürzen mich in die Erde herab, dunkel aber umgeben von einem Nimbus des Lichts, und ich, das Blut der Natur – extravagante, gefährlich Höhlen, Talisman der Erde, in denen Stalaktiten, Fossilien und Felsen zusammenkommen, wo die Tiere, verrückt vor Verlangen, Unterschlupf suchen. Diese Höhlen sind meine Hölle. Die ewig träumende Höhle mit ihren Nebeln, ihrem Erinnern, ihrem Verlangen? Gespenstisch, gespenstisch, esoterisch, grünlich durch den Schleim der Zeit.“
Aqua Viva, Clarice Lispector, 1973
Sie betrat den Raum, ohne nach Erlaubnis zu fragen; sie hatte es nicht nötig. Sie war da und gleichzeitig war sie es nicht, sie strahlte eine Schwere aus, die aus der gleichzeitigen Wahrnehmung beider/aller Welten resultierte. „Unerforscht?“ fragte sie, und schaute mir dabei direkt in die Augen. Ich folgte ihr in ein dunkleres Zimmer. Sie blieb auf der anderen Seite des Betts und hielt dabei ein Gefäß, das aussah wie ein Baumstamm. Es enthielt eine Nachricht. Als sie das klare Wasser ausschüttete, machte es ein viel lauteres Geräusch als sein Volumen hätte erraten lassen. Sie schüttete das Wasser in einen weißen Servierteller auf dem Bett. Es wurde nichts serviert, aber der Teller wurde fast zu einem Portal – ein Zeitportal aus Wasser, oder Wasser, das ein Portal darstellte, oder die Zeit hatte das Wasser dazu gebracht, ein Portal zu eröffnen. Es war ein großzügiges Geschenk des Dirillo Flusses: über die Jahre hinweg war das Wasser durch den Zugang in den Fluss gelaufen, Tränen rannten über ihr Haar in den Fluss. Die Zeit war fließend, die Zeit ist fließend –
Das Portal war fließend, mit langen Tentakeln, die ihre Augen bedeckten, wenn sie ihren Sehsinn nicht mehr brauchte. Das alles erinnerte mich an die seltsamen Wurmportale aus dem Film Donnie Darko. Ich versuchte, ruhig zu bleiben und dennoch offen, versuchte die Erinnerungen fernzuhalten, mir die Erinnerungen an die anderen vom Leib zu halten.
Sie fragte unverhohlen, suchte keine Antworten. Hekate führte die Umherschweifenden. Es war ein weiterer Versuch, ein Experiment, ein Versuch, die Aufstellung zu erinnern: was sollte an welcher Stelle sein und in welcher Reihenfolge musste es platziert werden, um neue Portale zu schaffen. Dieses intuitive Wissen tauchte den Raum in ein Gefühl der Erleichterung, ein Gefühl, dass die Dinge geklärt waren. Das Zimmer, das sich Raum nennt, wo man weiß, dass man durch die Wiederholung einer bestimmten Abfolge einen Flow begründen kann. Dass man ihn aufblühen lassen kann.
Ein Wal bewegte sich langsam, großzügig breitete er seinen Charme in den kalten Gewässern aus während er das Höllentor offenhielt. Körper krochen lustvoll ineinander, Wörter wurden wieder und wieder wiederholt, was neue Arten alten Geschichten zu erzählen hervorbrachte. Sie fand Gefallen daran, die Türen offen zu halten, aber gleichzeitig frustrierte sie der Widerstand, den sie leisteten. Der Moment war fast schon durchdrungen von ritualistischer schamanischer Tradition, ich wusste, dass ich irgendwann darauf einlassen müssen würde.
Sie begann, Geschichten über viele Frauen zu erzählen, über außergewöhnliche Lebewesen, seltsame Unterwasserkreaturen und ihre Rituale. Sie erwähnte mit keinem Wort, wann oder ob ich sie jemals zu Gesicht bekommen würde, oder in welcher Reihenfolge ich die Objekte würde anordnen müssen, um zu ihren Portalen zu gelangen. Sie zeigte mir nur, dass man fragen konnte, hinterfragen – nicht nur danach, was sich hinter der Maske verbarg, sondern auch, wie man die Oberfläche umformen könnte. Versuch einfach, hineinzubeißen, sie zu schmecken, sie zu formen, sie zu verstehen.
Es war ein schwieriger Zeitpunkt, um daran zu denken, mich zu bedecken; die transparenten Vorhänge wallten oder bewegten sich fast als wären sie die unerwünschten Geister des Hauses. Aber dennoch waren sie es, die tatsächlich das Hauswesen ausmachten, die die Erinnerung an Ort und Stelle hielten, sie versteckten sich nicht hinter Masken sondern flatterten durch die Luft, und so riefen sie Lücken hervor, durch die die verschlossenen oder versteckten Teile erscheinen konnten. Es waren Glocken ohne Gläser, das war das Letzte, an das sie sich vom Wasser erinnern konnte. Nasses Haar in einem gigantischen Mund und läutende Glocken, die die Nacht auf das Zimmer vorbereiteten, darauf wie es sein würde, wenn sie gegangen war. In die Maske hineinschneiden, ihr einen Mund geben, aber Glocken hineinzutun statt Zähnen oder Geräuschen – es musste ein Ruf nach der Zeit sein, in der man nur durch ein Tuch gehört werden kann, der Klang gedämpft durch den Stoff, flüsterte ich in den leeren Raum hinein. Augenblicke, die sich wie Jahre anfühlten, huschten vorbei, sie ging, und ich stand alleine vor den nassen Tüchern. Die Angst wich dem Pflichtgefühl. Ich hörte Stimmen aus der Zeit vor der Sprache, bis auch sie das Zimmer seiner Leere überließen.
Glocken in einer Maske, Masken voller Haare, Tränenfänger, die darauf warteten, mit Wasser gefüllt zu werden, auf Spiegeln, die die Zeit krümmen werden um Andere zu finden – es war ein leibliches Ritual, in dem wir nur Fragen stellten und es austesteten, und immer und immer wieder darin scheiterten.
Mine Kaplangi
In response to Tina Kohlmann’s Artefakt & Phantasma
“... If I often paint caves that is because they are my plunge into the earth, dark but haloed with brightness, and I, blood of nature- extravagant and dangerous caves, talisman of the Earth, where stalactites, fossils and rocks come together, and where the animals mad by their own malign nature seek refuge. The caves are my hell. Forever dreaming cave with its fogs, memory or longing? eerie, eerie, esoteric, greenish with the slime of time.”
Aqua Viva, Clarice Lispector, 1973
She entered the room without asking permission; she didn’t need to. She was there and not there at the same time, transmitting the heaviness of perceiving both/all worlds simultaneously. “Unexplored?” she asked and looked right into my eyes. I followed her into a darker room. She stayed on the other side of the bed, holding a vessel that looked like a log. It contained a message. As she poured the clear water it made a sound much louder than its volume would suggest. She poured it into a white serving plate on the bed. Nothing was served, yet this was almost a portal – a time portal made of water, or water made of a portal, or time had caused the water to open a portal. It was a generous gift from the Dirillo river: over the years, water had run through the portal into the river, tears flowing over her hair into the river. Time was fluid, time is fluid –
A portal that was fluid, with long tentacles that covered her eyes when she didn’t need to use her sense of sight anymore. This reminded me of the curious worm portal from the movie Donnie Darko. I was trying to keep myself calm yet open, trying to hold onto memories, memories of others.
She was openly asking questions rather than seeking answers. Hecate was guiding the way for the wanderers. It was another attempt, an experiment to recall the placements, what to put where and in which order to create new portals. This intuitive knowledge brought a sense of relief to the room, of things having been settled. The room that calls itself space, where one knows that by repeating a particular sequence, a flow will inevitably begin to be established. And will flourish.
A whale was moving slowly, generously sharing its charm in cold waters while keeping the hell gate wide open. Bodies were lustfully crawling into each other; words were repeated time and again, which brought forth new ways of telling old stories. She enjoyed holding the doors open but at the same time their resistance frustrated her. The shamanic nature of ritualistic tradition was almost embedded in that moment, and I knew that at one point I would need to get involved.
She started telling me stories of many women, of extraordinary beings, peculiar underwater creatures and their rituals. She never mentioned when or whether I would ever be in their presence or in which order I ought to position the objects that would lead me to their portal/s. She just showed me that one could ask, and wonder, not only about what was behind the mask but how to reshape the facade. Just try to bite it, taste it, mold it, understand it.
It was a challenging time to consider covering myself at that moment; the transparent curtains flowed or moved almost as if they were the unwanted ghosts of the house. Yet they were what truly made up the households, what held memory in the place, not hiding behind masks but rather flowing in the air, creating gaps for the locked or hidden parts. Bells without a jar, that was the last thing she recalled of the water. Wet hair on a giant mouth of tolling bells preparing the night for the room after her leaving.
To cut the mask, to give it a mouth, yet to put bells into it rather than teeth or sound – it must be a call for a time when one can only be heard through the obstacle of the cloth, I whispered into the void of the room. Moments that felt like years passed by, she left, I stood by the abandoned wet cloths. Fear left in its place a sense of obligation. I listened to the voices from prelinguistic times until they left the room to its emptiness.
Bells within masks, masks covered with hair, tear catchers waiting to be filled with water, on mirrors that will bend the time to seek others – it was a bodily ritual in which we only asked questions and tried even as we failed over and over again.
Mine Kaplangi