Impression Management
Artworks

Digitaldruck, Acryl, Öl, Ölstift, Sprühlack auf Leinwand
205 x 140 cm

Digitaldruck, Acryl, Öl, Ölstift, Sprühlack auf Leinwand
205 x 140 cm

Acryl, Kohle, Öl, Ölstift, Sprühlack auf Leinwand
220 x 190 cm
Information
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Betritt man die Räume der Galerie, eröffnet sich Jagoda Bednarskys Einzelausstellung „Impression Management” als ein unausweichliches Spiel mit menschlichen bzw. künstlerisch produzierten Sinneseindrücken. / Weißer Handschuh – Mickey Maus – Pantomime – Körpersprache – körperliche Darstellungsform – Entertainment / Durch assoziativ anmutende, aber präzise Anspielungen entführt Bednarsky den Betrachter in ihre subjektive Bildwelt symbolischer Referenzsysteme. / Mohnblume – Kultivierung – Frühsommer – Opiat – Selbstvergessenheit / Verschiedenste Wirklichkeitsebenen unserer Welt werden in einem neuen, bedeutungsstiftenden Dialog versammelt und die Grundbedingungen unserer Wahrnehmung mit der malerischen Wirklichkeitsdarstellung verwoben. / Kreise – Eiskugeln – Planeten – Grundformen – Perspektive /
Während die einzelnen Zeichensysteme und malerischen Elemente uns dabei als vermeintliche Bekannte gegenübertreten, erscheint ihr Konglomerat befremdlich. / Gurkenscheiben – Salatbeilage – Feuchtigkeit – Wellness – Selbstoptimierung. /
Durch die Aufteilung in Vorder- Mittel- und Hintergrund und den unterschiedlichen Grad an Flächigkeit und Tiefenwirkung, Illusionismus und Abstraktion, versetzt Bednarsky jedes der Bildgegenstände in einen Schwebezustand zwischen der eigenen Unabhängigkeit und ihrem kontextuellen Bewusstsein. / Temperaturmessgerät – Krankheit – Hitze – Warnung – Semiotik / Vertraute Assoziationen, Erinnerungen und Definitionen werden aktiviert und gleichzeitig durchbrochen. / Post-It – Pastelltöne – Milch – Dringlichkeit – Effizienz – Erinnerungen / Wieder und wieder lassen die künstlerischen Verknüpfungen so stereotypische Repräsentations- und Darstellungssysteme kollidieren. / Wellensittich – Haustier – Käfig – Domestizierung – Kontrolle – Macht – Kippenbergers Kanarienvögel /
Klassisch malerische Formen, wie gestische Abstraktion und florale Ornamentik, und kunstgeschichtliche Entlehnungen verschmelzen mit cartoonhaften Repräsentationstechniken, pantomimischen Ausdrucksformen und der individuellen künstlerischen Subjektivität zu einem symbiotischen Gefüge. / Garfield – Lasagne – Kaffee – Faulheit – Zynismus – Cartoon / Durch dieses taktische Spiel mit den uns vertrauten Bildern und Formalien, lässt Bednarsky ihre Malereien – ganz im Sinne des Ausstellungstitels – als aktive Agenten, „Manager”, unserer Gemütserregungen und Affekte hervortreten. / Weiß – Sahnemäßiger Klecks – Schnee – Vorhang – Faltenwurf – Repräsentation / Während dieser synergetische Prozess des Schaffens von neuen Wahrnehmungszusammenhängen auf der Leinwand beginnt, findet er in der objekthaften Beschaffenheit der Malereien und ihrer räumlichen Inszenierung seine Zuspitzung. / Bordüre – Feierlichkeit – Dekoration – Bürgerlichkeit – Leerstelle /
Im Erdgeschoss säumen ovale Malereien die Wände der Galerie. / Ovale Leinwände – Spiegel – Narzissmus – Selbsterkenntnis – Fernsicht – Roy Lichtenstein – „Mirror” Serie / Als Medium der Selbsterkenntnis und Fernsicht nutzt Bednarsky die Referenz des Spiegels, genauer Roys Lichtensteins Spiegels, um ihren Malereien ihre eigene Selbstbezüglichkeit zu verleihen. / Schattenspiele – Gesten – Hände – Licht – Pyjamaparty – Ritual / Während Lichtenstein das Objekt des Spiegels selbst zum Gegenstand der künstlerischen Untersuchung erhebt, evoziertBednarskys fortführende Abstraktionsebene die Selbst-Reflexion ihrer Arbeiten. / Distel – Dornen – Wappen – Schottland – Stolz – Standhaftigkeit – Identität / So fangen die Malereien an, ihr medienspezifisches Selbstbewusstsein über das eigene Dasein als Kunst widerzuspiegeln und mit diesem ganz bewusst zu performen. / Kissen – Flausch – Schlaf – Dürer – Zeichnung – Schemata – Selbstbildnis / Damit verwandelt Jagoda Bednarsky die Passivität des Spiegels in ein aktives Dasein der Leinwand: statt das Ges(ch)ehene zu reflektieren, beweisen die Leinwände ein autonomes Sich- und Etwas-Zeigen. / Pizza – Pasta – Italien – Gastronomie – Bewirtung – Unterhaltung – Freizeit – Leistungsgesellschaft / So offenbaren sie einen subjektiven Spiegel der Welt und machen sich dabei die uns bekannte Semiotik zu nutzen, um Erinnerungen, „Impressionen”, des kulturellen Gedächtnisses hervorzurufen und diese zu neuen, hybridhaften Sinnhaftigkeiten und Kompositionen zusammenzuführen. / Aldilogo – Discounter – Qualität – Ausbeutung – Bio – Süd – Nord – Deutsch – Essen /
Unterliegt man als Besucher schon hier dem destabilisierenden Blick der Malereien, der das eigene Betrachten und Verstehen ins Wanken bringt, gibt es im Obergeschoss endgültig kein Entkommen mehr. / Regenschirm – Sauwetter – Schutzraum – Medium – Ritual / In der installativen Präsentation der Leinwände als Paraventgebilde findet das aktive Selbstbewusstsein der Malereien seine räumliche Zuspitzung. / Fledermaus – Säugetier – Ultraschall – Übermenschlich –Vampir – Dracula / Hier deutet sich die künstlerische Parallelwelt Bednarskys nicht nur assoziativ an, sondern materialisiert sich als eigenständiger Raum-im-Raum. / Gebiss – Vergänglichkeit – Totenschädel – Dracula – Transsilvanien – Roman – Literatur / Als Bild und Möbel zugleich, Displayfläche und Abschirmung, ersetzt die malerische Fläche ihre Umgebung und führt eine alternative Projektionsfläche vor. / Fliege – Parasit – Schmutz – Krankheit – Schimmer – Störfaktor / Sie eröffnet einen alternativen Schauplatz, welcher als raumeinnehmende Installation gleichzeitig zum Hintergrund und Protagonisten des Geschehens wird und den Betrachter als Antagonisten im eigenen Kosmos gefangen hält. / Fisch – Wasser – Christentum – Aufkleber – Rom – Reichtum / Ihn einschließend dirigieren die Arbeiten seinen Blick, geben Dinge vor und verstecken andere und entscheiden somit darüber, was der Betrachtende zu sehen und zu fühlen hat. / Buchdeckel – Umschlag – Schutz – Einleitung – Ornamentik – Kategorisierung – Fiktion /
Hendrike Nagel
As we step into the gallery space, Jagoda Bednarsky’s solo exhibition “Impression Management” presents itself as a tenacious play with human, or rather: artificially produced sensory input. / White glove – Mickey Mouse – pantomime – body language – physical form of expression – entertainment / Bednarsky guides her viewers through her subjective visual world of symbolic reference systems with the aid of allusions that appear associative, yet precise. / Poppy – cultivation – early summer – opiate – abandon / The most diverse levels of reality our world has to offer are brought together in a dialogue that imbues them with new meaning, while the fundamental conditions of our perception are interwoven with a painterly portrayal of reality. / Circles – ice cream scoops – planets – basic shapes – perspective /
While the individual systems of signs and painterly elements confront us as presumed familiar entities, in the conglomeration they appear odd. / Cucumber slices – side salad – moisture – wellness – self-optimization. /
By dividing her canvasses into foreground, middle and background, and the varying degree to which each appears flat or to have depth, through her play with illusionism and abstraction, Bednarsky places each of her pictorial objects in a state of limbo, floating between autonomy and contextual awareness. / Temperature measuring device – illness – heat – warning –semiotics / Familiar associations, memories and definitions are activated and at the same time disrupted. / Post-It – pastel hues – milk – urgency – efficiency – memories / Time and again, the artistic associations cause stereotypical systems of representation and depiction to collide. / Budgie – pet – cave – domestication – control – power Kippenberger’s budgies /
Traditional painterly shapes, such as gestural abstraction and floral ornamentation, and art historical derivations merge into a symbiotic fabric with cartoonesque techniques of representation, pantomimic forms of expression and her individual artistic subjectivity. / Garfield – lasagna – coffee – laziness – cynicism – cartoon / Through this tactical game with familiar images and formalities, Bednarksy allows her paintings to appear as active agents, as “managers” of our emotions and affect: quite in-keeping with the exhibition title. / White – cream-like blob – curtain – arrangement of folds – representation / While this synergetic process of creating new contexts of perception begins on the canvas, it is further escalated through the object-like qualities the paintings possess, and through the way in which they are staged in the space. / Trim – festivity – decoration – bourgeoisie – blank space /
On the ground floor, oval paintings line the gallery walls. / Oval canvasses – mirror – narcissism – self-awareness – visibility – Roy Lichtenstein – “mirror series” / Bednarsky employs the reference of the mirror, or, to be precise, Roy Lichtenstein’s mirror, as a medium of self-awareness and farsightedness in order to lend her paintings their own self-referentiality. / Shadow play – gestures – light – pajama party – ritual / While Lichtenstein elevated the mirror itself to an object for artistic analysis, Bednarsky’s continually high level of abstraction evokes the self-reflectiveness of her works. / Thistle – thorns – weapon – Scotland – pride – steadfastness – identity / In this way her works begin to reflect their medium-specific self-awareness via their own existence as art and to deliberately perform it. / Pillows – softness – sleep – Dürer – drawing – schemes – self-portrait / Bednarsky thus turns the passivity of the mirror into the active existence of the canvas: Instead of reflecting what has happened and what she has seen, the canvasses demonstrate autonomy in showing themselves and their pictorial objects. / Pizza –pasta – Italy – gastronomy – hospitality – entertainment – leisure – meritocracy / In this way, they manifest a subjective mirror to the world and through employing familiar semiotics evoke recollections, or “impressions” of our cultural memory in order to conflate these in new, hybrid-like meanings and compositions. / Aldi logo – discounter – quality – exploitation – south – north – German – food /
If we as viewers already find ourselves destabilized by the gaze of her paintings on the ground floor, our contemplation and understanding unhinged, then things are about to take a more extreme turn on the upper gallery floor. / Umbrella – lousy weather – shelter – medium – ritual /The active self-awareness of the paintings is pointedly spatially emphasized in the presentation of the canvasses as a folding screen structure. / Bat – mammal – ultrasonic – superhuman – vampire – Dracula / Here Bednarsky’s artistic parallel world is not simply associatively hinted-at, but materializes as a distinct room-within-a-room. / Set of teeth – transience – skull – Dracula – Transylvania – novel – literature / Acting simultaneously as painting-image and item of furniture, display surface and screen, the painterly surface supersedes its environment and presents an alternative projection surface. / Fly - parasite – dirt – disease – glimmer – interference / At the same time it opens up an alternative stage, which as an expansive installation turns both into the backdrop and the protagonist of events and holds the viewer captive as an antagonist in this distinct cosmos. / Fish – water – Christianity – sticker – Rome – wealth / Enveloping us, the works direct our gaze, assert certain aspects and hide others, and thus determine what the viewer gets to see and feel. / Book cover – sleeve – safekeeping – introduction – ornamentation – categorization – fiction /
Hendrike Nagel